Sister im Fokus: Melina Locher

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Linebacker Melina arbeitet hauptberuflich als Polizistin und bildet ihre Hündin für den Schutzdienst aus (Fotos: Ralf Klengel, privat)

Unsere heutige Spielerin im Fokus ist Melina Locher. Bereits seit 2014 verstärkt sie unser Team und seit 2017 ist sie Defense Captain. 

Nicht nur im Sport ist sie ambitioniert, sondern auch beruflich: Neben ihrer Arbeit bei der Polizeibehörde Stuttgart ist sie als Schutzdiensthelferin tätig und bildet mit Hilfe ihres Ausbilders Thomas Kälberer ihren eigenen Hund für den Schutzdienst, die Unterordnung und die Fährtenarbeit aus. 

Wusstest du schon immer, dass du Polizistin werden möchtest?

“Nein eigentlich wollte ich wie fast alle jungen Mädchen irgendwann einmal Tierärztin  werden. Nachdem ich dann eine Ausbildung zur tiermedizinischen Fachangestellten abgeschlossen habe und diese Tätigkeit sechs Jahre lang ausgeübt habe, wollte ich mich beruflich verändern. Da unsere Landeshauptstadt Stuttgart über eine Diensthundeführerstaffel verfügt, ich mit Hunden aufgewachsen bin und viele Jahre auf dem Hundeplatz verbracht habe, sah ich darin eine wunderbare Gelegenheit, mich dort zu bewerben.”

Was genau versteht man unter einem „Schutzdiensthelfer“?

“Zu dem Schutzdiensthelfer bin ich vor drei Jahren durch meinen Streifenpartner gekommen. Sein Vater bildet schon seit 1989 Polizei- und Militärhunde aus und führt auch selbst im Dienst ein Einsatzmittel. Mein Kollege hat mich dann einfach mal mitgenommen und ich war sofort begeistert. Da ich selbst gerne irgendwann einen eigenen Diensthund ausbilden und führen wollte, war dies die perfekte Gelegenheit, mir die Ausbildung der Hunde aus einer anderen Perspektive  anzuschauen. 

Ein Schutzdiensthelfer muss in der Lage sein, auf die unterschiedlichen Hunde einzugehen, ihr Naturell zu erkennen und sie im Rahmen ihrer Vorzüge und Schwächen entsprechend zu fördern. Der Ausbilder muss sich stets auf seinen Figuranten verlassen können. Perfektes Timing und blitzschnelle Reaktionen werden daher gefordert.”

Wie lange hast du deinen Hund schon und wie kam es dazu, dass du ihn für diese Tätigkeiten ausbildest?

“Seit April 2020 ist meine Deutsche Schäferhündin Leya ein festes Familienmitglied. Die aus einer Leistungszucht stammende Hündin wird derzeit im Schutzdienst und in der Fährtenarbeit ausgebildet. 

Bei Einsätzen der Polizei haben die Hunde nicht nur die Aufgabe ihren Hundeführer zu beschützen, sie unterstützen auch bei Durchsuchungen von Gebäuden, Schlägereien, Festnahme von Straftätern oder sichern die Maßnahme der miteingesetzten Vollzugsbediensteten ab. Kein anderes Hilfsmittel bringt das fertig, was Diensthunde leisten. Sie schrecken ab. Man sagt, sie haben die Außenwirkung von zwölf Einsatzkräften, deeskalieren, sind gleichzeitig Sympathieträger und unbestechlich. 

Nach erfolgreicher Ausbildung und Prüfung könnte meine Hündin bei Bedarf als Einsatzmittel der Polizei, formell als Hilfsmittel der körperlichen Gewalt im 

Rahmen der Streife geführt und eingesetzt werden.” 

Was hat sie bereits gelernt und wie vermittelt man einem Hund diese besonderen Fähigkeiten?

“Ich habe das Privileg, meine Hündin bei einem Trainer auszubilden, der mit Herzblut und Leidenschaft die Hundeausbildung betreibt. Da er selbst täglich in Polizeieinsätzen seinen Diensthund führt, weiß er genau, auf was es ankommt. Ihm ist es wichtig, dass seine Schützlinge nicht nur ihren Hund in jeder möglichen denkbaren Situation sicher einsetzen  können, sonder auch, dass die Abläufe routiniert sind. Unsere Training erstreckt sich weit über den Hundeplatz hinaus. Es gibt Nachtübungen, Situationstraining im Freibad, bei dem z.B. die Hunde über die Rutsche durch das Becken schwimmen müssen, um den Täter zu stellen, Übungen im dunklen Bergwerk oder auf der Wildline Hängebrücke in Bad Wildbad – 60 m über dem Erdboden. Es gibt Einsatztrainings auf dem Wertstoffhof und Bauernhof oder Tätersuche im Wald. Thomas Kälberer lässt sich immer etwas Neues einfallen, um uns aus der Reserve zu locken. 

Die Hunde müssen ihrem Hundeführer blind vertrauen, daher ist eine enge Bindung wichtig. Wenn dein Hund dir vertraut, wird er dich immer verteidigen auf dich aufpassen.”

Vielen Dank, Melina!

Autor*innen: Stuttgart Scorpions Sisters

Fotos: Ralf Klengel, privat