Sister im Fokus: Lisa Fritz

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Rookie Lisa gibt Einblicke in die Arbeit als Anwältin (Fotos: Ralf Klengel, Privat)

Viele unsere Spielerinnen haben interessante Berufe, so auch unser Rookie Lisa Fritz. Während sie im Team in der Offensive, also im Angriff eine tragende Rolle einnimmt, befindet sich Lisa beruflich in der Verteidigung. Sie ist von Beruf Anwältin. Im Interview gewährt sie uns Einblicke in den Beruf und klärt auf, wie viel er mit der Darstellung im Fernsehen gemeinsam hat.

Viele Kinder wollen Feuerwehrmann oder Pilot werden. Hattest du schon als Kind den Wunsch Anwältin zu werden?

“Ehrlich gesagt überhaupt nicht, Anwälte gehören erfahrungsgemäß ja auch nicht gerade zu den beliebtesten Berufsgruppen. Geprägt durch meine Familie habe ich mich immer eher im medizinischen Sektor gesehen und mich schon während der Schulzeit als Sanitäter engagiert. Im Rahmen meiner nebenberuflichen Ausbildung zur Rettungssanitäterin habe ich dann auch einige Praktika im medizinischen Bereich absolviert, aber nie so richtig meine Nische gefunden. Mit der Tätigkeit im Medizinrecht habe ich genau die Schnittstelle aus meinen Interessengebieten gefunden und kann dabei mein Wissen aus der Medizin mit der juristischen Tätigkeit verbinden.”

Den Beruf Anwalt kennt man vor allem aus TV-Formaten aus den 2000er Jahren und Serien. Wie viel hat das mit der Realität zu tun?

“Relativ wenig. Vor allem die Vorstellung, dass wir uns vor Gericht permanent gegenseitig anschreien und dort große Geheimnisse enthüllen, mit denen niemand gerechnet hätte, ist eher realitätsfern. Das soll nicht heißen, dass das nie passiert, ist aber doch eher eine Seltenheit. In aller Regel pflegen wir einen sehr respektvollen und freundschaftlichen Umgang mit den Kollegen auf der Gegenseite. Große Überraschungen während der Verhandlungen sind wegen der umfangreichen vorbereitenden Schriftsätze ebenfalls eher selten.”

Auf welches Gebiet bist du spezialisiert?

“Ich bin ausschließlich im Bereich Medizinrecht, genauer gesagt Arzthaftungsrecht, auf Seiten der Leistungserbringer – also der Ärzte – tätig. Es geht in meinem Fachbereich also in der Regel um die Frage, ob während der Behandlung eines Patienten Fehler passiert sind und wie sich das auf den weiteren Verlauf ausgewirkt hat. Dabei geht es – anders als beispielsweise im Strafrecht – im Prinzip „nur“ um Geld, das heißt üblicherweise klagt der Patient auf Schmerzensgeld bzw. Schadensersatz.”

Wie kann man sich deinen Alltag vorstellen?

“Unsere Hauptarbeit besteht im Aktenstudium einschließlich der Behandlungsunterlagen und der Erstellung von Schriftsätzen sowie z.B. der Auswertung von medizinischen Sachverständigengutachten. Ich sitze – von gelegentlichen Besprechungsterminen und Telefonaten abgesehen – also meistens im Büro, lese Akten, Behandlungsunterlagen und Stellungnahmen und erstelle hierzu dann meinerseits Schriftsätze an das jeweilige Gericht zur Vorbereitung der anschließenden mündlichen Verhandlung. Es wäre wohl ziemlich „langweilig“ über diesen Hauptaspekt meiner Arbeit Serien oder Filme zu drehen, weshalb dieser Bereich von der Öffentlichkeit weniger wahrgenommen wird. Für mich ist das aber mitunter der spannendste Aspekt, da man hier sein medizinisches Wissen anwenden kann und versucht herauszufinden, ob tatsächlich etwas schief gegangen ist und ob dem Patienten dadurch ein Schaden entstanden ist. Dazu kommen natürlich dann noch die Verhandlungen mit Anhörungen von Sachverständigen und der Vernehmung von Zeugen.

Im Moment arbeite ich zusätzlich einige Tage im Monat am Wochenende im Zentralen Impfzentrum in Stuttgart, wobei ich hier hauptsächlich in der Impfstoff-Vorbereitung tätig bin. Das stellt für mich eine weitere Schnittstelle zur Medizin dar und bildet für mich gerade in dieser Zeit einen guten Ausgleich zu meiner eigentlichen Arbeit, da ich auch dort mit interessanten Menschen aus den verschiedensten Bereichen zusammen treffe.” 

Was war dein größter Fall, der dir in Erinnerung geblieben ist?

“Die Frage ist ohne eine Verletzung meiner Schweigepflicht schwer zu beantworten. Es ist allerdings so, dass es immer wieder Schicksale gibt, die einen noch mehr berühren als andere. Sei es, weil es z.B. um Kinder geht, was immer für alle schwieriger ist, oder weil man Parallelen zu sich oder zu Angehörigen zieht. Es gibt Fälle, die man unabhängig von ihrem Ausgang vermutlich niemals vergessen wird.”

Anwalt ist ein eher seriöser Beruf. Wie bist du zum Football gekommen?

“Ich war schon immer ein großer Footballfan und habe sowohl die NFL im Fernsehen als auch die Spiele örtlicher Vereine mit großem Interesse verfolgt. Als ich in den Stuttgarter Raum gezogen bin, habe ich mit Begeisterung erfahren, dass es hier eine Frauenmannschaft gibt und bin einfach mal vorbeigekommen. Das Team hat mich sofort mit offenen Armen aufgenommen, sodass ich mich von Anfang an sehr wohl gefühlt habe. Ich finde es einfach klasse, dass bei dieser Sportart ein Platz für jeden gefunden werden kann – ob dick oder dünn, groß oder klein, hier wird jeder gebraucht.”

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, Lisa!

Autor*innen: Stuttgart Scorpions Sisters

Fotos: Ralf Klengel, Privat