Sister im Fokus: Michelle Gottschalk

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American Football. Der Sport kommt, wie der Name vermuten lässt, aus Amerika. Aber auch in deutschen Teams spielen Amerikaner eine wichtige Rolle. Als Importspieler mischen sie die Liga ordentlich auf.

Auch in unserem Team gibt es eine Amerikanerin: Michelle Gottschalk. Nach Deutschland kam sie aber nicht, um hier Football zu spielen sondern durch ihren Job beim Militär. Ihre Leidenschaft für Football brachte sie schließlich zu uns, um mit uns Football zu spielen.

Wie es ist als Amerikanerin in Deutschland zu leben, verrät sie uns im Interview.

Hallo Michelle, wann bist du nach Deutschland gekommen?

“Am 3. Juli 2017 bin ich nach Deutschland gekommen.”

Du kamst durch deinen Job beim Militär nach Deutschland. Kannst du uns kurz beschreiben, was deine Aufgabe ist? 

“Ich bin, wie wir es nennen, eine Dual Persona. Ich habe also eigentlich zwei Jobs. Military Reserve Officer und Intelligence Officer. Ich habe für die Special Force Operations Command Africa in den Kelly Barracks gearbeitet. Zusätzlich dazu arbeite ich in meinem zivilen Job bei DoD Civilian (Department of Defence Civilian). Dort stehe ich mit den Vertretern der anderen Services (Army, Navy, Marines, Air Force) in Kontakt und sorge dafür, dass wir gut zusammenarbeiten können. Zusätzlich bin ich noch Policy Advisor (Politikberaterin) für den Director of Intelligence.”

Wie hast du dir Deutschland und die Deutschen vorgestellt?

“Ich hatte keine genauen Vorstellungen. Ich wollte es auf mich zukommen lassen. Ich hatte nur Sorge, dass die Kommunikation schwer wird, da ich kein Deutsch kann. An meiner Schule wurden nur Spanisch und Französisch als Fremdsprachen angeboten. Mit Deutsch hatte ich also keine Berührungspunkte.”

Du bist jetzt schon einige Zeit in Deutschland. Was gefällt dir hier besonders?

“Hier herrscht eine andere Geschwindigkeit.  Ich komme aus der Washingtoner Ecke. Dort läuft alles viel schneller. Ich musste mich erstmal daran gewöhnen, dass man es an den Sonn- und Feiertagen ruhiger angehen lassen kann. Es hat mich am Anfang auch gewundert, dass an diesen Tagen alle Geschäfte geschlossen haben (ich kann dann allerdings auf der Base einkaufen, da diese geöffnet ist). 

Mir gefällt das Wetter hier sehr, weil es ähnlich wie zu Hause ist (nur nicht ganz so heiß).

“Das größte Problem ist aber Corona. Ich will während meiner Zeit hier so viel wie möglich von Deutschland und anderen europäischen Ländern sehen. Wegen Corona mussten viele Reisen ausfallen.”

Du machst schon länger einen Deutschkurs. Konntest du schon viel lernen?

“Es lief ganz gut und ich habe mein Bestes gegeben mich schnell zu verbessern. Dann kam allerdings Corona und die meisten Unterrichtsstunden sind ausgefallen. Inzwischen finden wieder Kurse statt aber ich lege meinen Fokus auf das Footballtraining und schaffe es derzeit nicht beides unter einen Hut zu bringen. Auf der Base wird nur Englisch gesprochen und so war es schwer für mich mein Deutsch zu verbessern. Nur im Supermarkt und im Training mit den Sisters komme ich derzeit mit der deutschen Sprache in Berührung, wobei beim Football sehr viele Begriffe einfach aus dem Englischen übernommen wurden. Meine Frau lernt aber schon seit langem Deutsch und kann es sehr gut und übernimmt die Kommunikation, wenn es nötig ist.”

Du hast vorher schon in Amerika Football gespielt. Wie unterscheidet sich das zum Football in Deutschland?

“Wir haben eine große Gemeinsamkeit, die den Frauenfootball zusammenschweißt.  Football ist zwar verbreiteter in den USA aber Frauenfootball findet weniger Beachtung. Das ist in Deutschland noch schlimmer, da Fußball der Sport Nummer eins ist.

An meiner Highschool wurde eine Fußballspielerin mal als Kickerin des Footballteams ausgewählt, das war es aber schon. Man nimmt sie nur als Kicker. Heute gibt es etwas mehr Möglichkeiten für Mädchen und junge Frauen zum Beispiel in Peewee Ligen. Ich habe in der Women’s Football Alliance gespielt. Die Liga ist die größte Frauenliga und dort spielen Teams aus dem ganzen Land gegeneinander. Mein Team war die Chicago Force. Das Team hat sich leider aufgelöst, da es eine Menge Kosten verursacht hat alles am Laufen zu halten und die Besitzer andere Prioritäten hatten aber wir hatten einen guten Lauf.

Was etwas anders ist, ist das Spiellevel. Chicago Force spielte in der ersten Liga es ist aber nicht vergleichbar mit der ersten Liga in Deutschland. Was mir im deutschen Football sehr gefällt ist, dass die Spielerinnen sehr leidenschaftlich sind. Vor allem neue Spielerinnen, die eventuell noch nie einen Football in der Hand hatten, saugen alle Informationen wie ein Schwamm auf. Sie sind leichter zu coachen und man kann ihnen leichter helfen sich zu verbessern. Gerade bei den Rookies der Sisters ist mir aufgefallen, dass sie es ernst nehmen und so oft ins Training kommen, wie möglich.”

In Deutschland ist die Sportart Nummer eins Fußball. Hast du schonmal ein Spiel hier gesehen?

“Nein, ich habe noch kein Spiel hier live im Stadion gesehen. Einige meiner Kollegen haben sich schon Spiele angeschaut aber Ich mag Fußball nicht so sehr. Ich spiele lieber Football und Hockey.

Ich habe mir aber die Weltmeisterschaft im Fernsehen angeschaut. Dabei fand ich es sehr spannend zu sehen, wie sich die Fans der einzelnen Länder unterscheiden und was für eine Stimmung herrschte.”

Vielen Dank für das Interview, Michelle!

Autor*innen: Stuttgart Scorpions Sisters

Fotos: Ralf Klengel, Privat